Tübinger Hochschullehrer
aus den drei chemischen Zentralbereichen (neuerdings auch Theoretische Chemie)
sowie der Physik und Informatik und Stuttgarter Kollegen aus der physikalischen
Chemie bringen ihr experimentelles und theoretisches Potential ein, um einen
zweiten Fortsetzungsantrag zum Graduiertenkolleg
(www.dfg.de) mit dem Thema "Chemie in
Interphasen - Synthese, Dynamik und Anwendung polymerfixierter aktiver Zentren"
zu stellen.
Das Projektziel befasst
sich in der dritten Förderphase (ab Oktober 2004) mit der Entwicklung
und Charakterisierung neuer Trägermaterialien, mit Reaktionen und Trennungen
an polymergebundenen Zentren sowie mit Methodenentwicklung und Optimierung.
Bei Interphasen handelt
es sich um Systeme, in denen sich eine stationäre und mobile Komponente
in molekularer Dimension durchdringen, wobei keine homogene Phase entsteht.
Die stationäre Phase besteht aus einem Polymer, einem Spacer und den
aktiven Zentren. Die mobile Komponente stellt ein gasförmiges, flüssiges
oder gelöstes Substrat oder Substratgemisch dar. Vorteile des Interphasenkonzepts
ergeben sich bei katalytischen Reaktionen (Vereinigung der Vorteile von homogener
und heterogener Katalyse ohne Inkaufnahme literaturbekannter Nachteile), bei
Festphasen-Synthesen in der organischen Chemie und bei der Lösung komplexer
chromatographischer Trennprobleme. Quantenchemische Rechnungen sollen bei
Untersuchungen von Selektivität und Reaktivität zum Verständnis
beitragen.
Das Methodenspektrum zur
Charakterisierung der Materialien umfasst die Festkörper- und Suspensions-NMR-Spektroskopie,
Fluoreszenzpektroskopie, Röntgenabsorptions- Spektroskopie (EXAFS), IR-Spektroskopie,
Elektronenstrahl-Mikroanalyse (EDX) sowie Raster (REM)- und Transmissions-Elektronenmikroskope
(TEM). Bei Vorliegen redoxaktiver Zentren bietet die Elektrochemie (CV) eine
zusätzliche Charakterisierungsmöglichkeit
für Interphasensysteme. Daten werden zur Optimierung zum Beispiel von
Synthesen mit Hilfe von Neuronalen Netzen aufbereitet.
Den angebotenen Forschungsthemen (Dissertationen) steht ein angemessenes
Studienprogramm gegenüber.
Eine im Zyklus von zwei Jahren stattfindende Ringvorlesung,
die sich auf die Entwicklung von Polymermaterialien, Reaktionen und Trennungen
an polymergebundenen Zentren sowie Methoden und deren Weiterentwicklung bezieht,
Praktika und Kompaktseminare
im Rahmen des Graduiertenkollegs sowie ein
freiwilliges Aus- und Weiterbildungsprogramm zum Graduiertenkolleg sollen
auch in der dritten Förderphase weitergeführt werden.
Forschungs- und Studienprogramm sollen weiterhin so ausgerichtet sein, daß
die bereits erreichte Verkürzung der Promotionsdauer der Stipendiaten
und Kollegiaten erhalten bleibt. Auf Grund der gebotenen Aktualität der
vorgesehenen Themen und Methoden werden die Stipendiaten und Kollegiaten mit
dem erforderlichen Rüstzeug ausgestattet, nach der Promotion in zukunftsträchtige
Stellen in Forschung und Anwendung zu gelangen.